Welcher Zusammenhang besteht zwischen Hochsensibilität und AD(H)S?

Es gibt Menschen, die hochsensibel sind und bei denen sich die Unmöglichkeit Reize zu filtern eher durch Ablenkbarkeit und Bewegungsdrang bemerkbar macht. Dies betrifft ca. 30% der hochsensiblen Menschen. Diese Menschen, vor allem Kinder, fallen durch ständige Unruhe auf und sind oft laut um die anderen Reize in ihrer Umgebung zu übertönen. Das sind die Kinder, die vor allem von Erzieherinnen und Lehrern zum Arzt geschickt werden, mit der Empfehlung, sie auf ADHS zu testen. Dies betrifft zum Großteil Jungen.

Reizüberflutung kann ein Auslöser für die Kernsymptome von ADHS (Ablenkbarkeit, Impulsivität, Hyperaktivität) sein, welche wiederum auf eine erhöhte Sensibilität zurückgeführt werden können.

Gesteigerte Sensibilität kann bei Kindern zu Schüchternheit und Konzentrationsschwierigkeiten führen was zur Folge haben kann, dass diese Kinder fälschlicherweise die Diagnose ADS oder ADHS bekommen. Dies liegt vor allem daran, dass Hochsensibilität in der deutschen Kultur negativ bewertet wird. Von Kindern wird im Alltag erwartet, dass sie sich anpassen, wenig auffallen und sich dem Familiensystem, dem Schulsystem und anderen Systemen wie zum Beispiel dem Sportverein unterordnen. Kinder, die diese Systeme hinterfragen oder Schwierigkeiten haben sich einzugliedern, weil sie beispielsweise mit den Anforderungen über- oder unterfordert sind, fallen auf.

Jedes hochsensible Kind entwickelt andere Mechanismen und Verhaltensformen um mit Über- oder Unterforderung, vielen Reizen, starken Emotionen und Kontakt mit anderen umzugehen.

Sich zurückziehen, viel Zeit alleine verbringen und sogenanntes Träumen ist eine häufig auftretende Variante. Kinder, die dies so verkörpern, dass sich dadurch andere belästigt fühlen oder das Kind selber Nachteile erfährt, beispielsweise beim Lernen in der Schule, werden häufig auf ADS getestet. Andere Kinder wenden sich dahingegen eher nach außen um sich zu regulieren, wandeln Reizüberflutung in Bewegung um und der Fokus liegt schnell bei ADHS.
ADS und ADHS sind dennoch nicht gleichzusetzen mit Hochsensibilität und nicht jede Diagnose ist eine Fehldiagnose. Es geht vielmehr darum, zu erkennen, ob ein Kind „nur“ hochsensibel ist oder tatsächlich AD(H)S hat. Obwohl die Diagnose ADS und ADHS Vorteile mit sich bringen kann wie eine passende Therapie zu finden und Verständnis und Unterstützung von Mitmenschen zu gewinnen, birgt sie auch eine Gefahr. Kinder mit der Diagnose gelangen häufig in ein Hamsterrad der sich selbsterfüllenden Prophezeiung, da das Kind als krank und somit weniger leistungsfähig eingestuft wird und dies deutlich von seinem Umfeld signalisiert bekommt. Dies bedeutet, dass Fehldiagnosen vor allem dem betroffenen Kind schaden können, da grundsätzlich gesagt werden kann, dass Kindern ohne Etikett mehr Türen offen stehen.
Obwohl AD(H)S und Hochsensibilität miteinander in Zusammenhang zu stehen scheinen, ist nicht zu unterschätzen, dass AD(H)S eine diagnostizierbare Erkrankung ist, wohingegen Hochsensibilität ein Persönlichkeitsmerkmal ist.

Dieser Unterschied beeinflusst wesentlich die Sichtweise auf das Kind und den Umgang zur Lösung der Auffälligkeiten.

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